Mein Weg zum Tauchen - Siegi

 

 

Schon als Kind hat mich jedes Gewässer magisch angezogen. Damit war ich sicher
kein Einzelfall. Ich hatte aber das Glück sehr viel Zeit meiner Kinder- und
Jugendjahre an der Alten Donau und den rundherum ausgedehnten Augebieten
verbringen zu können.

Bei jeder Gelegenheit war ich am oder im Wasser. Bootfahren, Segeln am liebsten
bei Sturm, Schwimmen und natürlich Tauchen.

Die Gewässer waren meistens klar. Pflanzen und Fische konnte man bei richtigem
Lichteinfall auch von Booten oder Stegen sehen. Nie vergesse ich die schönen
Morgenstunden, an denen ich fasziniert den ruhig vorbeiziehenden Fischen zusehen
konnte.

 

                  In diese Welt musste ich eindringen!

 

Hinein konnte ich ja, aber das Sehen unter Wasser blieb auf schemenhafte Umrisse
beschränkt. Da gab es doch jemanden der immer wieder an der Alten Donau
"auftauchte". Hans Hass und seine Freunde haben angeblich selbst konstruierte
Brillen verwendet mit denen es möglich war unter Wasser zu sehen. Ein einziges
Mal hatte ich die Möglichkeit so eine Brille zu probieren. Eine zauberhafte Welt tat
sich vor mir auf, aber die Brille sog sich so unangenehm an meinem Gesicht fest,
dass meine, sonst fast selbstverständliche, Ruhe unter Wasser weg war. Die
Eindrücke waren so überwältigend, dass mein Organismus ganz ausrastete. Für
einen zweiten Versuch bekam ich die Brille nicht mehr.

Kurz danach wurde der Film "Menschen unter Haien" gezeigt. Mein Weg führte mich
oft in die Urania. Dort tauchte ich im Geiste mit Hans Hass und seiner Crew in die
Welt des Wunderbaren. Lotte beeindruckte mich ganz besonders. Ich wusste, das
muss ich auch einmal erleben.

In nächster Zeit gab es vereinzelt Tauch-Brillen und Flossen in Auslagen zu sehen.
Ich konnte aber nur von Abenteuern träumen. Die Anschaffung war nicht möglich.
Man kann das heute vielleicht nicht verstehen, aber dazu war das nötige Geld einfach
nicht vorhanden.

Erst mit 23 Jahren habe ich mir den "Luxus" geleistet und eine Tauchbrille und
Flossen Marke "Hans Hass" gekauft. Es war zur Zeit meiner Tätigkeit in der
Schweiz. Das war einer der Höhepunkte meines Lebens, als ich mit meiner
Errungenschaft das Geschäft verließ. Mit den Flossen bin ich fast ins Bett gegangen.

Der nächste Urlaub ging bald per Bahn und Schiff, mit Rucksack und Zelt an die
vorgelagerten Inseln der Cote d´Azur. Jetzt erst begriff ich richtig wonach ich mich
sehnte. Ich war den ganzen Tag im Wasser. In dieser Welt war ich ganz alleine und
für andere Urlauber eine Sensation. Wenn ich jemandem eine kleine Muschel, die ich
aus dem Wasser mitbrachte, schenkte, wurde diese wie ein Heiligtum und als
besonderes Erinnerungsstück geehrt.

Meine Kondition wurde immer besser, die Tauchzeiten und Tauchtiefen wurden
immer größer. Ich begann zu vergessen unter Wasser zu sein. Das führte natürlich
oft dazu, dass der Weg zur Wasseroberfläche scheinbar nicht mehr enden wollte.
Beim nächsten Abtauchen war das aber schon wieder vergessen. In welchen
Gefahren ich mich befand wurde mir erst später klar als ich mich intensiv mit
Tauchtheorie und vor allem mit Tauchmedizin zu befassen begann.

Als ich wieder in Österreich war, lag mir der Neufeldersee berufsbedingt sehr nahe.
Damals konnte ich noch direkt am Ufer ein Zelt gratis aufstellen und dort mit meiner
Familie das Wochenende verbringen. Meine zwei Buben waren zum Tauchen noch
zu klein, meine Frau mit der Aufsicht der Kinder beschäftigt. Ich war wieder alleine
unterwegs. Der See war voller Abenteuer. Herrliche Graslandschaften. Karpfen,
Hechte und viele andere Fische und Krebse in Überzahl. Die Urlaube verbrachte ich
in Jugoslawien (heutiges Kroatien) oder im südlichem Italien. Natürlich wieder mit Bahn
und Rucksack und alleine im Wasser.

Das Tauchgerät lockte immer mehr. Ich suchte Kontakte zu Tauchgruppen die
Tauchgeräte verwendeten. Neue Abenteuer begannen. Viele Menschen, die im Besitz
von Tauchgeräten waren, standen so hoch über normalsterblichen, dass eine Annäherung
kaum möglich war. Eine ähnliche Atmosphäre fand man unverständlicherweise auch in den
Tauchgeschäften. Beides hat sich bis heute zum Glück geändert.

Ich habe nicht aufgegeben und fand nach einigen Anläufen Freunde mit denen ich
gemeinsam Gerätetauchen erleben und erlernen konnte.

Ich begann mich in jede erreichbare Fachliteratur zu vertiefen. Eine ganz neue Welt
öffnete sich mir. Es gab sehr viele Aha-Effekte und sehr oft liefen mir kalte Schauer
über den Rücken, wenn ich erkannte in welch waghalsigen und lebensbedrohlichen
Situationen ich mich ganz unbewusst bei vielen meiner Alleingänge befand.

In meinem Umfeld gab es plötzlich immer mehr junge Leute welche sich für den
Tauchsport interessierten. Gleichzeitig hörte man aber immer wieder über die steigende
Zahl von Tauchunfällen.

Hier sah ich eine Aufgabe auf mich zukommen: Ich möchte interessierten und
ambitionierten Leuten meine Erfahrungen und mein Wissen weitergeben, damit diese
schon von vornherein riskante und gefährliche Situationen vermeiden können. Ich habe
mich zu oft in solchen befunden. Das hieß aber, dass ich in die Schulung einsteigen
musste! Von nun an war trainieren und lernen, üben und lesen an der Tagesordnung.

Prüfungen Brevet* , Brevet**. Dann Brevet***. Fast ein Jahr lang jedes Wochenende in
einem anderen österreichischen See. 30 Meter, 40 Meter, üben in jeder Tiefe, alles ohne
Tarierweste mit schweren Arbeitsflossen. Dann die Prüfung vor einer nationalen
Kommission. An dieser Ausbildung nahm auch Wolfgang Paar teil. Wir wurden sehr
gute Freunde. Später, ich machte schon beim Heeressportverein Tauchausbildung,
konnte ich ihn für meine Idee gewinnen. Nun waren wir zu zweit. Beide legten wir alle
erforderlichen Qualifikationen zum Tauchlehrer ab. Im Jahr 1992 gründeten wir unseren
eigenen Tauchclub. Hier haben wir Tauchausbildung nach unseren Grundsätzen und
unserem besten Können durchgeführt. Die Rückmeldungen bestätigten uns auf dem
richtigen Weg zu sein. Als Nebeneffekt wurden viele der Schüler, uns und untereinander
gute Freunde. Unsere Mitgliederzahl wuchs stetig. Inzwischen gibt es auch schon
Nachfolger als Tauchlehrer. Diese helfen jetzt mit, unsere Maxime:

 

            "Entweder allerbeste Tauchausbildung oder keine Ausbildung"

 

weiterzutragen. In jedem Fall haben wir Grundlagen für viele und gute Freundschaften gelegt.

Siegfried Gallauner